Wie das Kabelnetz funktioniert
Das Netz, über das du liest, wurde für etwas anderes gebaut. Ab 1982 verlegte die Deutsche Bundespost Koaxkabel durch die Straßen, damit mehr als drei Fernsehprogramme in die Wohnungen kamen. Gebaut wurde dort, wo viele Haushalte dicht beieinander wohnen. Das Ergebnis sieht man heute noch: In der Großstadt liegt Koax fast überall, in vielen Landgemeinden gar nicht.
Koax, und warum es so viel trägt
Ein Koaxkabel besteht aus einem Innenleiter, einer Isolierschicht und einem Schirm darum. Der Schirm hält Störungen draußen, und dadurch verträgt das Kabel hohe Frequenzen. Genau darin liegt der Unterschied zur Telefonleitung: Die besteht aus zwei dünnen verdrillten Adern ohne Schirm, fängt sich unterwegs alles ein, was in der Nähe funkt, und verliert mit jedem Meter an Reichweite.
Auf einem Koaxstrang liegen deshalb viele hundert Megahertz Bandbreite. Früher wurden davon die Frequenzen bis 450 MHz genutzt, heute reicht das Band bis 862 MHz und in aufgerüsteten Netzen bis 1,2 GHz. Fernsehen, Radio und Internet laufen nebeneinander über dasselbe Kabel, jedes auf seinem Frequenzbereich.
Glasfaser bis zur Straßenecke
Reines Koax vom Kopfstellenrechner bis in die Wohnung gibt es längst nicht mehr. Bis zu einem Verteilpunkt im Viertel läuft Glasfaser, dort sitzt ein optischer Knoten, und erst von da an geht es über Koax weiter. Das Verfahren heißt HFC, hybrid fibre coax. Wenn ein Netzbetreiber davon spricht, sein Netz auszubauen, meint er meistens das: Glas näher heranholen und die Zahl der Haushalte hinter einem Knoten verkleinern.
Diese Zahl ist der wichtigste Wert des ganzen Netzes. Hinter einem Knoten hängen je nach Gegend ein paar Dutzend bis einige hundert Wohnungen, und sie teilen sich die Kapazität des Strangs. Wo zu viele an einem Segment hängen, bricht abends die Geschwindigkeit ein. Wo der Betreiber geteilt hat, passiert das nicht.
Der Rückkanal
Fernsehen fließt in eine Richtung. Internet nicht, und deshalb musste das Netz umgebaut werden: Ein Teil des Frequenzbands wurde für den Weg vom Haus zurück ins Netz reserviert, und jeder Verstärker auf der Strecke musste einen bekommen, der in beide Richtungen arbeitet. Ein Anschluss, an dem das gemacht wurde, heißt rückkanalfähig. Anschlüsse ohne Rückkanal gibt es heute praktisch nicht mehr, aber die Aufteilung ist geblieben: Der Rückweg bekommt den kleinen Teil des Bands.
Daher kommt die Zahl, über die sich Kabelkunden am meisten ärgern. Ein Gigabit-Tarif liefert oft 50 MBit/s im Upload, manchmal weniger. Für Streaming und Surfen spielt das keine Rolle. Wer Videos hochlädt oder große Datenmengen sichert, merkt es täglich.
DOCSIS, die Sprache der Modems
Wie Modem und Netz miteinander reden, regelt DOCSIS, Data Over Cable Service Interface Specification. Der Standard bestimmt, wie viele Frequenzkanäle gebündelt werden und wie effizient die Daten darauf verpackt sind.
- DOCSIS 3.0 brachte die Kanalbündelung und damit die ersten dreistelligen Bandbreiten.
- DOCSIS 3.1 ist heute der Stand im deutschen Kabelnetz. Es packt die Daten dichter und macht Gigabit im Download möglich.
- DOCSIS 4.0 hebt vor allem den Rückweg an. In Deutschland ist es bisher kaum im Einsatz.
Für dich heißt das vor allem eines: Wenn du deinen eigenen Router anschließt, muss er DOCSIS 3.1 können, sonst bleiben die schnellen Tarifstufen unerreichbar. Ein DSL-Router hilft am Kabelanschluss überhaupt nicht, das Modem ist ein anderes.
Was daraus für dich folgt
Ob an deiner Adresse Koax liegt, hat mit der Technik wenig zu tun und mit der Baugeschichte deiner Gemeinde viel. Und wie viel davon ankommt, hängt an einer Zahl, die niemand veröffentlicht: wie voll dein Segment ist.
Was gemeldet ist, steht für jede Gemeinde einzeln: wie weit das Koaxnetz reicht. Was sich davon bestellen lässt, steht in der Tarifliste.